Lotte Ingrisch oder die Übersetzerin großer Geister.

Lotte Ingrisch
Lotte Ingrisch. © Stefan Kleinowitz.

Die Bestsellerautorin und Jenseitsforscherin Lotte Ingrisch im zweiten Teil des Interviews über ihre Ansichten zu aktiver Sterbehilfe, Toten- und Geisterkommunikation und Kontaktaufnahme zu Gespenstern.

Johanna: Sie sind für ein selbstbestimmtes Sterben in Würde. Gehört die selbstbestimmte Entscheidung für die aktive Sterbehilfe dazu?

Lotte Ingrisch: Ich bin im Vorstand einer Gesellschaft für „Sterben in Würde“. Davon bin ich überzeugt. Ich glaube an ein Sterberecht. Doch das hat leider unsere Regierung unter Sebastian Kurz in seiner Angst vor dem Tod abgeschafft. Außerdem herrscht er durch die Angst. Die Angst ist sein Kapital. Durch die Angst steuert er die Menschen und kann regieren. 

Aber ich bin für die aktive Sterbehilfe und ich kann mich erinnern, als dieses Thema vor Jahrzehnten im Parlament diskutiert wurde. Ich war auch eingeladen zum Mitreden, brachte zwei Seiten mit Zitaten von 20 berühmten Nobelpreisträgern des 20. Jahrhunderts und übergab es der Ethikkommission, die dieses Treffen in die Wege geleitet hat. Daraufhin bekam ich Parlamentverbot. 

Es wurde regiert. Es wurde bestimmt. Selbstbestimmte Entscheidungen gab es nicht. 

Die Geister von Toten sind bei uns aus- und eingegangen. 

Lotte Ingrisch

Wieso möchten Sie die Sterbehilfe für Sich persönlich?

Ich betrachte den Körper immer wieder als Gefängnis. Ich möchte ausbrechen. Mit den Worten Shakespeares „O schmölze doch dies allzu feste Fleisch“ möchte ich es immer wieder zum Schmelzen bringen. 

Zu den Persönlichkeitsrechten gehört ein Sterberecht. Und wo es verweigert wird, ist es ein Verbrechen.

Woran liegt es, dass in Österreich oder Deutschland die Sterbehilfe immer noch nicht akzeptiert und durchgeführt wird?

Durch die Angst vor dem Tod herrschen die Mächtigen, herrscht die Politik. Wenn Leute keine Angst vor dem Sterben haben, ist die Macht der Politik im Schwinden begriffen.

Was passiert danach, also wenn Sie tot sind?

Ich bin so oft – nicht freiwillig und nicht absichtlich – sondern immer wieder jahrzehntelang erwacht und konnte meinen Körper nicht bewegen. Ich war wie gelähmt. Bis ich dann zufällig entdeckt habe, dass es nichts anderes bedeutet, als dass sich der Geist vom Körper trennt. Und wie ich das gewusst habe lies ich diese Trennung zu. 

Ich spürte wie ich aufstieg aus dem Körper und gleichzeitig war das ganze Zimmer von einem Dröhnen erfüllt. Ein Wasserfall rauschte, Posaunen tobten und vor lauter Schreck bin ich nochmal zurückgefallen in den Körper und hab gesagt „Du blödes Arschloch, jetzt hast Du dir alles vermasselt!“

Aber nein, Gott sei Dank nicht. Ich bin nochmal aufgestiegen und das war die pure Seligkeit. Ich bin jauchzend vor Glück in die Sterne hineingeflogen, was man offenbar auch kann, wenn man erlöst ist. Wenn das Quant erlöst ist von seinen Teilchen und als Welle herumschwirren kann. Wir sind dann reine Photonen und das ist Licht. 

Wir verwandeln uns, wenn wir sterben, in Licht. Und Licht kann gleichzeitig überall sein. Licht kann sich teilen und bleibt in jedem seiner Teile ganz. Also, unsere Zukunft sind eigentlich Photonen.

Ich war eine Übersetzerin großer Geister.

Lotte Ingrisch

Sterben ist ein intimer Prozess. Niemand weiß, was wirklich was mit uns passiert. Was glauben Sie?

Das Leben verwandelt Geist in Materie. Der Tod verwandelt Materie in Geist oder in Licht. Es ist ein ganz einfacher Prozess. 

Wie möchten Sie bestattet werden?

Das ist mir vollkommen wurscht. Man kann mich in den Müll werfen. Mein Körper ist mir nichts wert. 

Wie kommunizieren Sie mit den Geistern oder den Toten? 

Ich öffne mich und höre sie als innere Stimme. Lautlos, aber eindeutig. Ich habe ein Buch geschrieben „Das Leben beginnt mit dem Tod“. Da habe ich folgendes gemacht: Unter Zwang habe ich mich jeden Abend an die damals elektrische Schreibmaschine gesetzt, habe eine Flasche Wein auf ex getrunken, dazu ungefähr 1/8 Schnaps. Dann habe ich die doppelte Dosis Schlaftabletten eingenommen und dann war meine linke Gehirnhälfte, die Ratio, praktisch im Koma. Und in der Rechten, der Emotio sind eingeschränkt alle großen Geister frei gewesen. Ich habe nicht gewusst, was ich schreibe. Es ist völlig automatisch geschehen. Den Sinn des Schreibens habe ich erst hinterher verstanden. 

Zu meinem Mann habe ich immer gesagt, ich lebe von diesem Diktat. Denn es war von einer Höhe, die der Mensch normalerweise nie erreicht und ich selbst hätte sie auch nie erreicht. Ich war eine Übersetzerin großer Geister. Was anderes war ich nicht. 

Wie gelingt es Ihnen sich den Geistern und Toten zu öffnen?

Diese Öffnung gelingt mir nur dadurch, dass ich keine Angst habe. Ich habe mich nie vor Gespenstern gefürchtet. Ich war so an Gespenster gewöhnt und es ist mir entsetzlich abgegangen, wenn sie nicht mehr gekommen sind. Jetzt, zum Beispiel kommen sie nicht mehr. Seit ungefähr 20 Jahren kommen keine Gespenster mehr zu mir. 

Ich habe einen guten Freund und Theologieprofessor gefragt, warum ich nichts mehr erlebe. Keine Toten reden mehr mit mir, keine Gespenster kommen. 

Daraufhin erwiderte er „Lotte, du bist alt geworden. Es kostet dich jede Menge Energie mit einem anderen System zu kommunizieren. Die Energie hast du nicht mehr.“ Ganz genau. Diese Energie habe ich nicht mehr.

Man kann mit Gespenstern in Kontakt treten.

Lotte Ingrisch

Sie schrieben in einer Mail an mich, dass sie bald als Gespenst herumspuken. Wie lebt es sich so als Gespenst? 

Ich habe schon lebendigen Leibes gespukt. Ich bin immer wieder erschienen und zwar an Orten, wo ich garantiert nicht war. Fremde Leute aus allen möglichen Ländern haben mich angerufen, und haben gesagt „Frau Ingrisch, sie stehen mitten in meinem Zimmer“. Ich war selbstverständlich nicht wirklich da. 

In dem Buch „Die doppelte Lotte“ habe ich ein S.O.S. an die Wissenschaft geschrieben: wie kann ein Mensch gleichzeitig an zwei verschiedenen Orten auftauchen? Darauf haben mir dreizehn berühmte Wissenschaftler geantwortet, dass sich die Wirklichkeit beständig aufspaltet“. Und auch Helmut Rauch hat gesagt: „Ein Mensch kann jederzeit an verschiedenen Stellen des Raums und an verschiedenen Stellen der Zeit auftauchen.“ 

(Bücher: „Der Quantengott“ und „Die Quantengöttin“)

Kann man später mit ihnen als Gespenst in Kontakt treten? Haben Sie Tipps und Ratschläge?

Lotte lacht. Natürlich habe ich das lustig gemeint. Aber ich habe Gespenster auch schon gesehen. Mein Mann und ich haben 25 Jahre lang auf einer eklatanten Störzone in einem Waldviertel gelebt. Dieser Raum war nicht homogen und man erlebt die Wirklichkeit an jeder Stelle des nicht homogenen Raums anders. 

Wir schützen uns mit einem biologischen Immunsystem. Aber offenbar haben wir auch ein psychologisches Immunsystem. Und an gewissen Stellen der Störzone funktioniert weder das biologische noch das psychologische System. Ich war immer ein gesunder Mensch, habe auf diesen Störzonen aber ein Dutzend schwere Grippen im Jahr gekriegt. Und gleichzeitig haben mein Mann und ich jede Menge Geister gesehen. Die Geister von Toten sind bei uns aus- und eingegangen. 

Wir haben geglaubt, das sind Einbrecher und haben sogar eine Gaspistole gekauft, um uns zur Wehr zu setzen. Dann habe ich aber Angst bekommen, dass ich unsere sechs Katzen womöglich damit verletze und habe die Pistole wieder zurückgetragen. Aber es waren keine Einbrecher Es waren Tote, die bei uns ein und ausgegangen sind.

Fünf Jahre nach ihrem Suizid hat eine Tote bei uns angerufen. Drei Jahre lang. Ich habe neben dem Telefon immer schon die Schnapsflasche stehen gehabt, immer war es so nach Mitternacht, als es anfing zu läuten… da hab ich dann einen Schluck genommen, bevor ich abgehoben habe. Die Tote hat mir alles geschildert, was sie erlebt hat und mein Mann und ich haben Detektiv gespielt und alles aufgeschrieben.

Man kann mit Gespenstern in Kontakt treten. Aber ich glaube der Kontakt geht eher von den Toten, als von den Lebenden aus. 


Lotte Ingrisch (*20. Juli 1930 in Wien) ist eine österreichische Schriftstellerin. Als „Liebhaberin von Geistern und der Quantenphysik“ oder als „Reiseführerin ins Jenseits“ hat sie sich über österreichische Grenzen durch einen Namen gemacht. Eines ihrer bekanntesten Werke ist die Mysterienoper Jesu Hochzeit, deren Uraufführung 1980 zu einem Theaterskandal wurde. Ihre letzten Buchveröffentlichungen zusammen mit dem Physiker Helmut Rauch sind „Der Quantengott“ und „Die Quantengöttin“.

Im Jahr 2002 wurde ihr das österreichische Ehrenkreuz 1. Klasse für Wissenschaft und Kunst für ihre Forschung zu Sterben und Tod verliehen.

Literatur von und über Lotte Ingrisch findet ihr hier.

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